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Hamburg eine Longtour

IMG 3441webHHHamburg ist immer eine Reise wert, auch wenn es nur ein paar wenige Stunden sind. So kam es mir jedenfalls vor, als ich ein wenig benebelt vor Aufregung mit den anderen Jungs vor der Jugendherberge an der Pferderennbann aus Swens Transporter stieg. Die Jungs, das waren gestandene Männer mit einiger Erfahrung in Sachen Radsport namens Swen Raak, Bernd Militzer, Frank Kempe, Martin Lindt, Jo Bretschneider und ich, Mirko Ulrich. Ich habe zwar auch schon einiges an Kilometern weggetreten, bin aber nicht durch die Schule des organisierten Radvereins mit seinen Trainigslagern und Runden gegangen. Als wir noch Frank am Bahnhof abgeholt hatten, wo er mit dem Bus von Dresden angekommen ist, war die Truppe komplett. Nun, das Hauptaugenmerk lag ja nicht auf Hamburg an sich, sondern auf der Rückreise, welche am kommenden Morgen gegen 03:00Uhr losgehen sollte. Ziel war es, den Marktplatz von Tharandt bei Tageslicht zu erreichen. Dabei hatte Jo sich angeboten das Teamfahrzeug (Swens Sprinter) zurück zu fahren und so als Verpfleger, Fotograf und Kaffeeorganisierer oder sonstiger Beistand zu fungieren.


Vor Abendessen und Nachtruhe nahmen wir die B5 Richtung Bergedorf noch mal genauer in Augenschein, da wir nur wussten, dass man dort mit dem Rad nicht fahren darf. Anschließend wurden noch einige Reste eingekauft. In Ermangelung eines italienischen Restaurants, mit Platz für sechs Personen (WM-Spiel Italien) landeten wir zum Essen nur in einem griechischen Bistro. Wer die Fleischportionen beim Griechen kennt, weiß, dass wir zumindest nicht an Eiweißmangel scheitern würden.
22:00 Uhr Nachtruhe und vor dem Einschlafen noch ein kurzer Gedanke an die 445km, das Wetter und warum in Gottes Namen tut man sich so etwas an. Nun ja, ich habe schon bei den Touren in den beiden Jahren davor dabei sein wollen, was leider nicht geklappt hatte. Jetzt also in diesem Jahr, dafür aber auch gleich die bisher längste Longtour.
Ich meinte gerade eingeschlafen zu sein, als die Handys uns 02:00 Uhr weckten. Auf dem Weg zum Waschraum ging unser erster Blick aus dem Fenster – trocken! Der Wetterbericht sagte zwar Schauer für die ersten 100-150km voraus, aber es ist doch wesentlich angenehmer im Trockenen loszufahren. Ein kurzes Frühstück mit Nutellabrötchen, Kaffee und Bananen, anschließend Flaschenfüllen und ein letzter Toilettengang – die Aufregung stieg. Eigentlich wollten wir jetzt nur noch in den Sattel, doch bei Dunkelheit sind selbst die sonst so gewohnten letzten Handgriffe irgendwie anders. Dazu kam die schwierige Entscheidung der Kleidung wegen der angesagten Schauer. Diese wurde uns dann aber doch abgenommen, denn als wir uns zum Startfoto aufstellten, begann es zu regnen.
Die Fahrt bis zum 1. Verpflegungspunkt nach 100km bei Danneberg ist schnell erzählt. Die uns begegnenden Autofahrer haben bestimmt nicht schlecht IMG 3461webStreckegestaunt als 5 Rennfahrer in Reihe bei Regen und Dunkelheit ihren Weg kreuzten. Gut, dass wir uns die ersten Kilometer am Abend zuvor angesehen haben, denn so fanden wir den Weg recht schnell. Martin hat die vollen 100km geführt, echt Wahnsinn. Ich glaube sein Rad war ein wenig kopflastig, hatte er doch die Strecke komplett im Navi mit Zusatzakku und Beleuchtung. Es kam jedenfalls verdammt viel Wasser von unten und nach der Hälfte der Distanz von Start bis KP 1 war ich vollständig durchnässt, Dazu kam, dass es echt kalt war (11 Grad), so dass wir uns am Verpflegungspunkt konsterniert ansahen, da uns klar war, sollte es so weiterregnen, schaffen wir höchstens 250km. Aber der Mensch hat ja bekanntlich auch mal Glück und so hörte es während der 1. Pause auf zu regnen. Nachdem wir uns trockene Sachen angezogen hatten, stiegen wir wieder auf die Räder und nahmen den nächsten Abschnitt in Angriff. Dieser sollte uns über 76km bis Groß Schwechten bei Stendal führen. Die Straße wurde immer trockener und als die Sonne rauskam machte es richtig Spaß. Ich hatte mich mittlerweile ganz gut mit den Jungs eingefahren. Wir wechselten uns jetzt regelmäßig in der Führungsarbeit ab, wobei ich das Tempohalten vorn am schwierigsten fand. Jetzt hatte man sogar den ein oder anderen Blick für die vorbeiziehende Landschaft. Die Straßen durch die Dörfer im ehemaligen Zonenrandgebiet waren irgendwo im Zustand des 18. Jahrhunderts stehengeblieben, was uns auf die Gehwege ausweichen
lies. Der Wind war uns ein meist hilfreicher Begleiter, blies er doch frisch aus West bis Nordwest. Nachdem Stendal passiert war, ging es weitere 80km bis Buckautal in der Nähe von Genthin. Stellenweise kam der Wind nun von der Seite, was es sicher nicht einfacher machte, da praktisch keiner im Windschatten Erholung fand. Die stärkeren Fahrer blieben nun auch mal länger an der Spitze. Ab und zu tauchte Jo irgendwo am Straßenrand auf und machte Fotos. Vielleicht sollten wir bei kommenden Touren, so wie bei den Verpflegungspunkten auch, ein Warnleibchen an den Straßenrand hängen, damit man sich auf die folgende Ablichtung einstellen kann und nicht gar zu abgekämpft aus der Wäsche schaut. Eigentlich hieß es jetzt nur noch treten und in den Pausen futtern. Es ist schon erstaunlich was man so zu sich nimmt aber wir wurden ja auch super verpflegt von Jo, der wie eine Kaltmamsell um uns herum war und versuchte jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Verschiedene Salate und Kuchen bereicherten unsere Tafel, dabei auch ein äußerst leckerer Linsensalat von Marit, welcher wirklich exquisit war aber im Verlauf der weiteren Fahrt für den einen oder anderen "Durchatemer" sorgte. Kurz vor dem Verpflegungspunkt Trebitz hinter Wittenberg hatten wir Bernd verloren und ließen uns ausrollen damit er wieder ranfahren konnte. Das tat er dann auch. Ohne links oder rechts zu schauen fuhr er gleichmäßig mit 32 Sachen an der Gruppe vorbei. Der Kommentar von Martin: "So kennt man ihn!" Als ich ihn in Trebitz fragte was los war, meinte er nur, es sind 32 km/h angesagt gewesen und die bin ich auch gefahren. Da war sie wieder die Schwierigkeit des Tempohaltens. Ich weiß nicht wie es den anderen ging aber seit auf meinem Tacho vorn eine 3 bei Distanz stand fuhr die Mühle wie von selbst und so konnte es passieren, dass das Tempo manchmal etwas anzog. Der letzte Kontrollpunkt kam hinter Großböhla kurz vor Oschatz. Hierher sind uns zwei weitere Fahrer aus Tharandt entgegen gekommen, so dass wir nun zu siebt waren. Bei diesem Verpflegungspunkt kann ich mich eigentlich nur noch an die Euphorie erinnern, welche sich breit machte, was man daran merkte, dass jetzt neben Cola auch alkoholfreies Weißbier getrunken wurde. Als wir zwischen Oschatz und Meißen die magischen 400km überfuhren, mobilisierten wir die letzten Reserven, der Wind kam jetzt direkt von hinten. Der Garmin zeigte knapp 40 Kilometer pro Stunde. Jo, der uns mit dem Verpflegungsfahrzeug überholte, meinte hinterher wir seien wahnsinnig. Man kann es nicht beschreiben, aber die Freude überstrahlte jeden Schmerz und man glaubt es könne ewig so weitergehen. In Meißen kam von Jo die Nachricht "Sonderverpflegungpunkt oberhalb des Plossen", Martin sei Dank, hatten wir doch durch ihn immer Verbindung mit dem Teamfahrzeug. Ich weiß nicht wie der das macht, aber mir reicht die Bedienung eines simplen Radcomputers während des Fahrens völlig. Martin jedoch ist so multitaskingfähig, das er neben Strecke lesen und ansagen auch noch SMS schreibt und dann auch noch echt schnell fahren kann. Der Plossen hatte mir im Vorfeld einiges an Sorgen bereitet, denn nach 430km diesen zwar nicht allzu langen aber doch recht knackigen Anstieg zu bewältigen, stellte ich mir schwieriger vor als es letztlich war. Alle oben angekommen gab es von Jo nochmal eine Cola und einen Müsliriegel, bevor es weiter nach Tharandt ging. Die Sonne stand schon tief und durch herrliches abendliches Licht genossen wir die restlichen Kilometer bis zum Ziel. In Wilsdruff wurden wir frenetisch von Bernds Leuten bejubelt, was echt cool war. Als wir dann in Tharandt einrollten, war ich stellenweise fassungslos und auch echt stolz auf diese Leistung gemeinsam mit den Jungs.
Auf dem Marktplatz lagen wir uns in den Armen und gratulierten uns gegenseitig bevor mehrere Erinnerungsfotos geschossen wurden. Swen hatte im Vorfeld schon für ein Erinnerungsstück gesorgt, welches nun von jedem unterschrieben wurde. Ich glaube die am meisten gehörten Wörter waren "Wahnsinn und unglaublich". Der Sprinter wurde am Vereinshaus noch entladen und bei einem ersten Bier wurde nochmal geschwärmt, Resümee gezogen und erste Pläne geschmiedet, denn wie jeder weiß "Nach der Tour, ist vor der (Tor)Tour".
Als letzte Anmerkung nur noch so viel: Als ich am Montag aufs Rad stieg um auf Arbeit zu fahren, waren die ersten Kilometer echt zäh aber das war es mir wert.
von Mirko Ulrich
Strecke: bei www.gpsies.com
Fotos: Dropbox

 

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