Start VereinsBlog Bernd 66

Bernd 66

 

In loser Folge stellen wir Persönlichkeiten des Radteams vor.


IMG 1199 start

Heute: The Rolling Stone aus Bannewitz

                                  

Bernd Zetzsche – passionierter Ausdauerathlet ist Sportsmann durch und durch – mit seinen 71 Jahren ist er der älteste Aktive im Radteam Tharandter Wald. Er startet erfolgreich bei Welt- und Europameisterschaften, sowie anderen Wettkämpfen im Seniorenbereich.

Beeindruckende, erstaunliche sportliche Leistungen und Erfolge in großer Zahl über Jahre hinweg, aber auch eine bemerkenswerte Lebenseinstellung des Tausendsassa lassen aufhorchen.

Jean-Pierre Fournes  sprach mit ihm über seinen Sport, sein Leben und Ziele im kommenden Jahr.


 Bernd, die Radsaison 2012 neigt sich nun unweigerlich dem Ende. Nimmst du jetzt die Beine hoch?

Natürlich nicht! Endlich kommt der Winter mit hoffentlich viel Schnee. Dann geht es wieder auf die Langläufer...Skaten. Ich komme ja eigentlich aus dem Wintersport-das ist genauso toll wie Rad fahren. Und bringt auch für den Oberkörper etwas. Wenn´s ganz gruselig draußen wird, komme ich zu dir zum Spinning und zur Gymnastik. Auch zu Hause mache ich das und die Rolle steht im Keller – in meiner „Schmiede". Im und am Haus ist auch zu tun.

 

Still sitzen ist also nicht unbedingt dein Ding?

Absolut! Wenn ich mich nicht bewegen kann werde ich krank! Mein Körper ist so auf Bewegung getrimmt, dass ich gar nicht mehr anders kann. (grinst)

Wenn man dich so erlebt, glaubt dir kein Mensch dein Geburtsdatum. Wie alt fühlst du dich selbst? Und wie reagieren Gleichaltrige auf die Tatsache, dass du so fit bist?

Ach, das ist doch nur eine Zahl! Ich fühle mich wohl und voller Tatendrang. Bin geradezu heiß auf Rennen. Und das ist die Hauptsache, oder? Der Fitness-Index meiner POLAR zeigt mir Werte, die denen eines gut trainierten 45-50jährigen entsprechen... und das fühlt sich auch so an. Die Uhr wird schon recht haben (lacht).

Normale Leute, also Nichtsportler, aus meinem Jahrgang sind manchmal erstaunt. Ich spüre da auch Hochachtung die mir entgegengebracht wird. Die gesundheitlichen Probleme, die bei denen Thema sind, kenne ich zum Glück nur vom Hörensagen. Und das bleibt hoffentlich noch lange so.

Aber das hat sicher auch mit dem Sport zu tun. Denn im Bergbau, wo ich jahrelang gearbeitet habe, waren die Bedingungen alles andere als Gesundheitsfördernd.

Man achtet ja auch anders auf seinen Körper. Und die Gene sind wahrscheinlich auch gut. Aber ich kenn viele in meinem Alter, und auch Ältere, die regelmäßig Rennen fahren und auch so fit sind wie ich. Also bin ich, denke ich mal, da keine so große Ausnahme.

 

Ernährst du dich speziell?

Nein. Also nicht vegetarisch oder so. Meine Frau kocht immer leckeres Essen. Viel Gemüse und mageres Fleisch. Aber ein Bier darf auch mal sein, sonst macht das ja keinen Spaß. Ich hab das auch im Gefühl wie viel ich verbrannt habe beim Training und so viel esse ich dann auch. Im Winter sind es mal zwei Kilo mehr, aber das ist normal. 73 Kilo wiege ich im Sommer bei 1,82m.

 

Man kann dich durchaus als Vorbild bezeichnen. Siehst du dich auch so?

Es ehrt mich, wenn ihr mich als Vorbild seht. Aber bewusst ist mir das nicht und ich habe mir noch nie direkt Gedanken darüber gemacht.

 

Hast oder hattest du Vorbilder?

Klar! Täve Schur war früher das große Idol. Und Jan Ullrich ist für mich immer noch der Beste Radsportler. Tony Martin finde ich auch sehr sympathisch. 2009 konnte ich ihn in Cottbus bei der Deutschen Meisterschaft bewundern, die er auch gewonnen hatte. Schön war, dass ich ihm gratulieren und ein paar Worte wechseln konnte. Seine Autogrammkarte hat einen Ehrenplatz bei mir. Zum Gildetreffen demnächst in Jena, wo er auch eingeladen ist, hab ich vielleicht mehr Zeit mit ihm zu reden.

 

Die herausragenden Wettkämpfe in 2012 waren sicher die Senioren – WM in Sankt Johann mit dem Weltpokalrennen und die Zeitfahrserie in der Lausitz, oder?

Ja. Der „Lausitzer - Zeitfahr-Cup" ist eine feine Sache, bei der ich in diesem Jahr immer Erster oder Zweiter wurde. Nach den zehn Einzelstarts – also in der Gesamtwertung – bin ich Zweiter.

Ein schöner Erfolg über den ich mich sehr gefreut hab. Da fahren ja auch die Lausitzer, dann welche aus unserer Gegend und natürlich die Berliner mit. Also starke Konkurrenz. Im März ist die Pokalübergabe.

Die WM ist immer Klasse. Aus aller Welt kommen die Fahrer und der Veranstalter gibt sich immer viel Mühe mit der Ausrichtung. Es gibt Pokale und eine schöne Siegerehrung. Und die Stimmung ist sensationell. Die Strecke ist aber ganz schön schwer. Kurz nach dem Start kommt eine ordentliche Steigung – die Huberhöhe – da braucht man Power und muss von Anfang an in der Gruppe sein. Diesmal stand ich leider am Start zu weit hinten, kam an den Langsameren nicht vorbei während vorn die Post abging und sich davor schon ein Loch auftat, dass ich nicht mehr zufahren konnte. Da kam ich halt im Mittelfeld an.

 

Na immerhin!.....

Es fahren auch Ex-Profis mit, gegen die man keine Chance hat. Aber im nächsten Jahr will ich es wissen! Da wird nur darauf hin trainiert.

 

Wobei wir bei der nächsten Frage sind: Wie sind Deine Pläne für 2013?

Die WM mit den einzelnen Rennen hat das größte Gewicht. Da will ich unter die ersten Zehn. Am Lausitz - Zeitfahrcup will ich auch wieder teilnehmen und möglichst gewinnen. Hin und wieder einen Marathon oder RTF zu Trainingszwecken. Aber ich muss mehr Intervalle trainieren und einfach spritziger im Antritt werden. Mit euch jungen Fahrern zu trainieren ist da wirklich gut und motiviert mich. Ich will ja dranbleiben. André ist da ein sehr guter Partner. Dass er gleich um die Ecke wohnt macht es noch einfacher. Ja, und da sind die langen Marathonfahrten nicht das Richtige. Im März geht es da erstmal zum Trainingslager nach Mallorca. Dort kenne ich mich gut aus und freue mich schon darauf.

 

Und ab 2013 fährst du nur noch für das Radteam?

Ja. Zu Apolda (Bernd ist auch Mitglied bei den „Weimarer Löwen") habe ich natürlich noch einen guten Draht, doch die Entfernung ist am Ende ganz schön weit. Ich bin immer gern für die Löwen gefahren, aber die Kontakte werden weniger. Und mit dem Radteam habe ich einen guten Verein in der Nähe gefunden wo nette, vernünftige Leute dabei sind. Da gibt es so manches, was selbst mir imponiert. Das gefällt mir.

 

Was denn?

Dass ihr Euch so um den Nachwuchs kümmert ist toll. Ich war ja nun vor kurzem einmal mit dabei und konnte sehen, was da gemacht wird. Geschicklichkeitsfahren und Intervalle, alles mit guter Stimmung aber auch Motivation und Wettkampf... Birgit und Du, ihr macht das schon gut! Ich hab ja früher selbst meine Töchter trainiert, war auf der KjS und kann das einschätzen. Das Trainingslager in Cesenatico hat mir auch gefallen.

Die Internetseite und das Drumherum um die RTF , den Marathon..., der Zusammenhalt..., das Spinning....

 

Du bist ja Mitglied in der Ehrengilde des BDR...

Genau. Das ist die Seniorenabteilung des BDR, die sich um verdienstvolle Mitglieder kümmert. Da sind auch die ganz Großen von früher dabei: Schur, Ampler, Thaler usw. und viele, die man heute gar nicht mehr kennt. Aber ich find es schön, dass der BDR für uns „Alte" noch was macht.

Eine zentrale Rundfahrt über mehrere Tage beim BDR-Treffen, wo wir fast 1000 km fahren, wird organisiert und man sieht sich eben mal und kann sich austauschen.

Mit Klaus Ampler war ich schon oft unterwegs, z.B. bei der Tour...aber dem geht es ja auch leider nicht mehr so gut. (im Bild 2. V.l.)

.... Dann bin ich noch Kontrollfahrer beim BDR, d.h. ich werde bei Bedarf zu Veranstaltungen gerufen und überprüfe, ob das Niveau ordentlich ist. Da gibt's ja gewisse Normen – Ausschilderung, Anmeldung und so. Bei der Colmnitzer RTF habe ich mal sachte darauf hingewiesen, dass man dort bei Qualität und Quantität der Verpflegung noch Verbesserungspotential hat. Das wurde dann besser.

 

Wie viele Radkilometer fährst du so im Schnitt pro Jahr?

2011 waren das 15 Tausend. Dieses Jahr nur 13 Tausend. Aber ich bin dieses Jahr nicht so viele Marathons, sondern eher die Wettkämpfe gefahren und das merkt man dann schon.

 


 


Du trainierst also mehrmals die Woche...

3 – 5 Mal die Woche –klar! Intensiv vor Wettkämpfen. Dann kann da auch noch ein sechster Tag dazu kommen. Und zwei oder drei Trainingslager mache ich eigentlich auch jedes Jahr. Die Provence ist ideal und wunderschön. Den Monte Ventoux bin ich schon mehrmals hoch. Einfach Klasse!

 

Das bedeutet einen sehr großen Zeitaufwand. Wie steht Deine Frau zu Deiner Leidenschaft?

Meine Frau unterstützt mich da voll. Darüber bin ich auch froh und sehr dankbar! Früher hat sie mich bei meinen Laufwettkämpfen begleitet und mir Verpflegung gereicht. Auch bei den Feuerwehr-WM in Mallorca und Paris oder dem „Ötztalmarathon" war sie dabei. Das war immer toll! Natürlich sind die Wettkämpfe, wo man aller Stunden mal vorbeikommt oder sich erst am Abend im Ziel wiedersieht nicht so aufregend für sie und da bin ich dann eben auch schon mal alleine unterwegs. Sie hat auch viel zu tun mit ihrer Firma.

 

Bist Du wie so viele, ein Späteinsteiger im Sport?

Nee. Ach was! Das ganze Leben mache ich Sport. Ich komme ja aus Oberhof in Thüringen und da ist Skisport ja ganz groß. Mit Sechs hab ich da im Verein SC Motor Zella-Mehlis mit Spezialsprunglauf angefangen. Das war Skisprung und Langlauf. Helmut Recknagel trainierte auch dort. Bin dann auf die KjS. Leider zog meine Familie dann nach Suhl und ich konnte das Training dort nicht mehr wahrnehmen. Dann war ich Großfeld -Handballer bei Dynamo Suhl – da hatten wir Punktspiele auch im Westen. Das war Freiluft-Handball. Das kennt heute keiner mehr – Hallenhandball kam erst später.

In meiner Armeezeit war ich dann mit Langläufen und dem Mehrkampf voll im Training. Sturmbahn, Schwimmen, Handgranatenweitwurf, Pferdspringen....und was weiß ich noch alles. Natürlich mit Gasmaske, Sturmgepäck und Holzgewehr! Da sind wir auch mal LSK (Luftstreitkräfte)-Meister geworden. Das war knüppelhart....

Dann hatte ich das Laufen entdeckt. Da gabs ja in der DDR die

„1000-Meilen-Laufbewegung", an der ich auch rege teilgenommen habe. Ich bin von 1964 bis 1984 aktiv gelaufen. 8 Mal Rennsteig, 4 Mal Kyffhäuser, 3 Mal Rund um die Kernberge, Harzmarathon, die Städteläufe Gera-Jena über 100 Kilometer, Wilischlauf, den 1. Supermarathon der DDR „Rund um Grünheide" – das waren 10 Runden á 10 Kilometer (von 153 Startern kamen mit mir nur 52 im Ziel an), Marathon in Weihnböhla.....und was weiß ich noch alles. Dazu das ganze Training. Meine Trainingsrunde von Freital nach Wilsdruff und über Grumbach hatte 28 Kilometer. Ich bin sicher zwei Mal um die Erde gelaufen. Und damals ist man ja als Ausdauersportler als Idiot hingestellt worden. Die Einstellung der Leute war ganz anders. Mit der Zeit änderte sich das aber. In meinem Kollegen-und Bekanntenkreis war ich da sicher ein Wegweiser.

Als meine Kinder, auf die ich sehr stolz bin, dann mit dem Tanzsport beim ESC anfingen (Bernds jüngere Tochter Silke war mehrfache Deutsche Meisterin und Vize-Weltmeisterin im Turniertanz - Anm. jpf) habe ich mich mit meiner Frau voll auf die Karriere meiner Töchter konzentriert und da war dann weniger Zeit für den Ausdauersport. Weil ich aber doch was machen wollte, bin ich dann in den Trainingszeiten der Kinder, wo ich tatenlos hätte herumsitzen müssen, zu „Dresden - Mitte" Tennis spielen gegangen.

Und so hatte ich 12 Jahre lang eine, in sportlicher Hinsicht für mich selber, eher ruhige Zeit. Wobei ich da auch so manches Turnier gewonnen habe. Irgendwann aber war die Epoche dort zu Ende und ich erfüllte mir meinen alten Traum vom Radsport. Früher war ja kein Geld für teures Material da und meine Gelenke machten auch ein ambitioniertes Laufen immer beschwerlicher. Also war das Rennrad genau richtig.

So kurz nach der Wende lernte ich dann über meine Tätigkeit bei der Feuerwehr den Vereinschef von „NRVg. Luisenstadt" kennen, wurde dort Mitglied und bin dort RTF und Marathon für die gefahren. Ich habe auch das „Rollbergrennen" in Berlin Neukölln gewonnen. Der Berliner Club löste dann die RTF-Abteilung auf und so kam mir das Angebot aus Weimar recht. Dort kannte ich auch wieder über die Feuerwehr jemanden und ab 2005 war ich ein „Löwe". Seit 2010 nun bin ich im Radteam Tharandter Wald.

 

Wie gehst Du mit Niederlagen um?

Niederlagen gehören halt dazu. Früher hab ich das nicht so entspannt gesehen. Da hab ich manchmal eine Weile mit mir und der Welt gehadert. Aber man sollte Fehler analysieren und beim nächsten Mal alles besser machen. Nach vorne schauen!

 

Hast Du ein Lebensmotto?

Sich selbst Ziele setzen und darum kämpfen. Und niemals aufgeben!

Danke fürs Gespräch! Wir wünschen Dir alles Gute, weiterhin viel Gesundheit und Freude am Sport!

 die wichtigsten Teilnahmen Rad:

4x Ötztalmarathon

2x WM der Feuerwehr Radsport

WM Time Trial 2012

WM Radweltpokal 2012

Senioren WM 2012

8 x Cyclassics Hamburg

Vätternrounde 300km

4 x Friedensfahrt

4 Jahre Sieger der RTF-PunkteWertung in Thüringen

einige Teilnahmen Ski-Langlauf:

8 x Osterzgebirgslauf über 50km

3 x Kammlauf Mühlleiten über 50km

Beruf:

Bernd ist gelernter Büchsenmacher (Jagdwaffenmechaniker), war Waffenwerkstattmeister bei der NVA, hauptamtlicher Atemschutzgerätewart der Grubenwehr der Wismut, zuletzt Sachgebietsleiter der Atemschutztechnik bei der Berufsfeuerwehr der Stadt Dresden

facebook

Besucht unsere Seite: