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Ötzi 2011

Ein Beitrag vom Ötzi 2011 von Sascha, der zusammen mit Jean-Pierre zum Stilfser Joch radelte...oe_web1

 

Eigentlich wollt ich nicht so viel zu sagen zum diesjährigen Ötzi, aber nun doch? Freitag Nachmittag war ich angereist bei heißen 28 Grad, aber die Kaltfront saß mir schon im Nacken. Samstag früh gegen 9 fing es ordentlich an zu gießen, unterbrochen von Hagel, Blitz und Donner. Die Temperatur fiel auf eiskalte 5 Grad, ich hockte zur Bewegungslosigkeit verdammt im Hotelzimmer und starrte aus dem Fenster. Gegen 16.oo riss der Himmel endlich auf, 17.oo saß ich auf dem Maschine und drehte noch ne kleine kurze Runde um den Kreislauf auf Vordermann zu bringen. Rest des Abends hieß es essen, entspannen und bei Zeiten ins Bett.

Um 4 Uhr am Sonntag klingelte der Wecker, frühstücken (dieses Mal gesittet) 3 Brötchen und ein Schale Bircher Müsli und um 5.50 rollte ich zum Start.

 

Wie im letzten Jahr war sau kalt, 2 Grad meldet die Wirtin vom Hotel, also war die Kleidungsfrage schnell geklärt, erstmal lang/kurz aber mit ner schicken schwarzen Strumpfhose 80 Den:-) Dazu noch einen alten langen Pulli, der seit ca. 10 Jahren ungetragen sein Dasein im Schrank fristete. Die Abfahrt nach Oetz verlief reibungslos, der Garmin zeigte nen 43er Schnitt auf den ersten 30 km und ich machte viele Plätze gut. Ich hatte mir ne kleine Marschtabelle gebastelt, die klebte auf dem Lenker und eine zur Not auf der Trinkflasche. Da standen die Durchgangszeiten für die Pässe und eine Endzeit für 10h, noch lag ich voll im Soll. Das Kühtai hochgestampft in 1h 22min, macht Platz 980 von 2200 in meiner Altersklasse. oe_web3Auf den Pulsmesser brauchte ich gar nicht erst zu schauen, ich war eh im roten Bereich:-) Oben schnell an die Labe, pah waren die Getränke eiskalt (es lag ja auch noch Schnee), Jacke an und auf in die Abfahrt. Ich wollte dieses Jahr sowenig Zeit wie möglich an den Laben verschwenden. Nach einigen Kilometern dann das erste Blaulicht, in einer Tunnelgalerie hatte es einen von der Fahrbann gefegt, er wurde gerade in den Krankenwagen geladen. Ich persönlich schau da gar nicht genau hin, wenn man mit 70 oder 80 km/h auf die Fahrbahn knallt sieht das meist sehr unschön aus. Bis zum Brenner nach Innsbruck hatte ich ne gute Gruppe von ca. 50 Fahrern, der Wind spielte mit und so gings mit knapp über 30 km/h Richtung Italien. Auf dem letzten Kilometer ließ ich es ruhig angehen, die 10 % Steigung wollte ich in meinen Tempo fahren und nix riskieren. Oben die Flaschen gefüllt, Gel und paar Kekse hinunter gestopft, ein paar Riegel für unterwegs eingesteckt und weiter Richtung Jaufenpass. Mittlerweile war es recht warm geworden, Weste und Armlinge landeten im Trikot. Bis zur Mitte vom Jaufen liefs recht gut, dann bekam ich im rechten Oberschenkel die ersten Krämpfe.oe_web4 Hatte ich zu wenig getrunken, war es das hohe Tempo hoch aufs Kühtai, ich weiß es nicht. Noch lag ich halbwegs gut in der Zeit, also ein wenig rausnehmen und weiter kurbeln. Ganz rund lief es leider nicht mehr, Platz 1610 hieß dies im Endeffekt. Das Wetter war aber traumhaft, Sonne und kaum Wind, perfekt. Oben wieder das selbe Spiel, Flaschen füllen, schnell was essen, und 2 Becher Cola für die Abfahrt mussten her. Koffein und der Zucker bringt einen wieder halbwegs zu Verstand, bevor man sich in die Serpentinen stürzt.

Unten in St. Leonhard war es wieder wie im Backofen, 30 Grad erzählte man mir später. Das machte einen Temperaturunterschied von 28 Grad seit dem Start. Ab hier begann dann die Grausamkeit, ab hier 28 km mit 1700 Hm Innerlich brüllt und tanzt der Schweinhund Lambada und macht einen jede Kurbelumdrehung schwerer. Inzwischen hatte ich auch in beiden Oberschenkeln feinste Krämpfe, absteigen und gar stehen bleiben war aber keine Alternative und so fuhr ich langsam in Richtung Labe Schönau. Dort gabs die Möglichkeit zur Massage, kurz drüber nachgedacht, den Zeitverlust eingerechnet und weiter gefahren. Schnell war hier eh keiner mehr unterwegs, einige übergaben sich am Streckenrand, zuerst dachte ich an Kuhfladen:-) Dann die letzten 8 km im Steilhang, irgendwie bin ich auch dort hochgekommen, wäre die Muskulatur noch besser gewesen...aber nein, also auf zur Passhöhe. Schnell die Weste drüber, mit 85 km/h Spitze in den Gegenanstieg geknallt (laut Radarmessung) und ab nach Sölden. Den Endorfinrausch vom letzten Jahr hatte ich zwar nicht, lag aber auch daran das ich keine 6 Dosen Red Bull unterwegs getrunken hatte. Sicherlich war ich auch ein wenig entäuscht über die Gesamtzeit von 10h 36min, (Platz 1341 in meiner Altersklasse) aber was sind schon 36 min in einem tollen Radsportjahr! NICHTS:-) Und der nächste Ötzi kommt bestimmt, versprochen!