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SachsenSpitze 2011

Als ich am Samstagmorgen kurz nach fünf Uhr die Schuhplatten in die Pedale rasten ließ und mich auf den Weg nach Dipps machte, hatte ich keine guten Gedanken im Kopf.
Das Thermo zeigte 10 Grad an, der Himmel war hässlich grau und der Wetterbericht klang wie sonst Ende Oktober.
Nach einem Kilometer hatte ich schon einen feuchten Hintern, weil die Straßen um Edle Krone noch nass waren. Klasse! alt
Am Treff angekommen riss ich mir erst mal die Regenjacke vom Körper. Ich schwitzte und fror gleichzeitig, was mit einer nicht ausgeheilten Nebenhöhlenvereiterung nicht besonders hilfreich ist.
André war pünktlich wie immer. Nachdem ich ihn vollgejammert hatte und er das mit seelsorgerischer Anteilnahme ertrug, machten wir uns auf den Weg zum Fichtelberg. Danke André! alt


In Frauenstein hatte ich dann endlich Betriebstemperatur erreicht, meine Laune wieder gut und nach einer kurzen Rast in Rechenberg, dann weiter vorbei an der Rauschenbach-Talsperre fahrend, bogen wir in Neuhausen zum Schwartenberg ab und sammelten viele Höhenmeter. Viele…..!
Ungläubig schaute ich auf die Anzeige im Tacho. Wir hatten den 2.Juli. Ich las 8 Grad Celsius…
Der Wind wehte Nebelfetzen über die Straße. Feiner Nieselregen legte sich wie Tau auf alles. Diesig und grau.alt

Unserer Stimmung tat das keinen Abbruch. Mit Galgenhumor und Zweckoptimismus machten wir uns über das Wetter und uns selbst lustig.
Kurze Zeit später war Olbernhau erreicht und über stetig ansteigende Sträßchen führte uns der Weg nach Reitzenhain, wo wir bei einer netten, hübschen Bäckerin Rast machten, uns angeregt unterhielten und uns mit leckerem Kuchen die Reserven auffüllten.
Nach dem wir die Grenze überquert hatten riss mit einem Mal der Himmel auf. Sonne! 15 Grad mit einem Schlag! Welch Wohltat für Hände, Knie und den Kopf….
Eine breite, neu asphaltierte und dazu abschüssige Straße machte Laune. Der Wind schob uns von hinten und mit 53/11 konnte ich locker 60km/h treten. Das reinste Vergnügen für 5 Kilometer.

Doch dann bogen wir wieder auf Ministraßen ab. Wind von vorn, Seitenwind, Gegenwind…. Und das ganze Programm von neuem. Langgezogene Anstiege plus Wind……
Zu Zweit hintereinander zu fahren macht nicht wirklich Freude. Wir kämpften so Seite an Seite gegen die Naturgewalten. War zwar nicht sonderlich ökonomisch, aber was solls! Alles Training! ;o)…..
Mittlerweile waren wir schon weit hinter unserer Marschtabelle zurück, was nicht verwunderlich war und uns nicht sonderlich störte.
Der Wind legte noch eine Schippe drauf und der Himmel wechselte wieder zu seinem alten Design: „grau/dunkelgrau“…. Der Keilberg und der Fichtelberg tauchten am Horizont auf. Natürlich hatten es sich die dunkelsten Wolken an den Flanken der Berge gemütlich gemacht und warteten geduldig auf uns….
Pünktlich am Fuße des Keilbergs begann es nun bei 10 Grad an zu regnen. Wir schraubten uns den „Hügel“ empor und beschlossen einen Aussichtspunkt mit Blick auf den altFichtelberg zu suchen.
Der Gipfel des Keilbergs ist übersät mit unglaublicher Hässlichkeit in Form von rostigen Antennen, halb verfallenen Baracken und einer in sich zusammenfallenden Bergwirtschaft aus der Jugendstilzeit. Also nichts was uns veranlassen konnte länger zu bleiben. Also schnell die Abfahrt hinunter zur Grenze gefahren und hinauf zum Fichtelberg gedonnert.
Dort empfing uns ein heftiger Sturm, Nieselregen und imposante 6 Grad Celsius. Wir machten schnell ein paar Fotos und stürzten uns hinunter nach Oberwiesenthal in „wärmere“ Gefilde. Die Kälte kroch in uns hinein und in der langen Abfahrt wurden wir dann endgültig schockgefrostet. Kaum dass wir die Bremshebel ziehen konnten.
Ich hatte mittlerweile Zwangsvorstellungen eines warmen, weichen Bettes mit einer hübschen, kuscheligen Wärmflasche ……alt
Bei einem Freund von André versuchten wir notdürftig, wieder auf nicht lebensbedrohliche Körpertemperaturen zu kommen und aßen schnell ein paar leckere selbstgemachte Puffer. Unsere Planung trieb uns weiter. Und so machten wir uns zuerst auf einer Fernstraße auf den Rückweg.
Die Beine waren anfangs wie Holz. Jede Pedalumdrehung eine Qual. Es regnete wieder stärker und mit ein wenig Wut im Bauch machten wir ordentlich Meter und wechselten uns im Wind ab. Nach 15 Kilometern fühlten sich die Beine wieder normal an.
So kamen wir gut voran, bis wir wieder auf Nebenstraßen zurück über Reizenhain,Rübenau nach Olbernhau fuhren und dort noch ein paar „Sachsenmänner“ vom Triathlon sahen, die ins Ziel finishten. Die mussten 2 Kilometer in der Malter baden (hatte 22 Grad), 100 km Rad fahren und 20 km laufen. Also fast dass, was wir auch gerade machten.alt
Uns stellten sich wieder lange und steile Berge in den Weg, die mit jedem gefahrenen Kilometer noch steiler wirkten. Selbstverständlich musste uns der Wind auch noch ärgern und kam von vorn. Nach langer Schufterei hatten wir dann Sayda erreicht.
Die Dusche von oben, die Petrus zwischenzeitlich zugedreht hatte, funktionierte mittlerweile wieder prächtig und über Mulda sowie Lichtenberg rollend, mobilisierten wir unglaubliche Kräfte, um noch einen einsamen Rennradler, der nicht gerade langsam unterwegs war, einzuholen und zu versägen.
André legte ein Tempo vor, dass ich mir auf die Lippen biss, um nur das Hinterrad halten zu können. Mit 4o km/h fuhren wir auf den Mann auf und zogen wie vom Hafer gestochen vorbei.
Darauf einbilden können wir uns aber nichts. Wer weiß, was er schon alles an dem Tag gemacht hat. Aber unserem Schnitt tat das natürlich gut. Über Pretzschendorf und Klingenberg kam Dorfhain in Sicht.
Meine im Bad installierte Beregnungsanlage lief auf Hochtouren und nach kurzer Zeit saßen wir warm, trocken und sehr zufrieden bei Bernd am Lagerfeuer und tranken noch zwei Bierchen auf den gelungenen Tag.
Am Ende hatte ich 261 km, 3890 hm, einen 26,1er Schnitt und fast 10 h Fahrzeit. 7000kcal verbrannt. André hatte noch 20km mehr.
Bis jetzt fühle ich mich gut. Wenig angestrengt. Komisch! Hätte gedacht mehr im Eimer zu sein. Ob das Franks Tabletten sind alt)……? Achtung, Satire!!! Der Hammer kommt bestimmt morgen. Mal sehen!

 

Danke nochmal an André, der die Route führte und der ein prima Kerl ist!

Es hat wieder viel Spaß gemacht! Und Lust auf mehr! Wir sollten „Tharandt-Berlin-Tharandt“ nicht aus den Augen verlieren.

So denn!

Jean

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